Montag, 25. Dezember 2017

Predigt zur Christmette 2017

Hier können Sie die Predigt von Pfarrer Markus Beranek zur Christmette am 24. Dezember nachlesen.

Als Kind war für mich Weihnachten natürlich ganz stark mit den heiß ersehnten Geschenken verbunden. Die Zeit am Heiligen Abend zwischen dem Ende des Essens und dem Aufbruch zur Christmette war dann natürlich für all die neuen Dinge reserviert, vorzugsweise ein neues Modell von Playmobil. Im Laufe der Zeit sind diese Geschenke mehr in den Hintergrund gerückt, was nicht heißt, dass ich die vielen kleinen Geschenke nicht immer noch mag und auch gerne selber Geschenke mache.
Die kindliche Erwartung und Vorfreude auf Weihnachten ist aber in den letzten Jahren nicht weniger geworden, ganz im Gegenteil. Was früher die vielen Packerln und Sackerl mit allen möglichen großen und kleinen Geschenken von Eltern, Omas, Taufpatin, Geschwistern waren, das ist jetzt der Blick auf die Krippe geworden. Ich mag die Christbaumkerzen. Ich mag das gute Essen zu Weihnachten. Ich mag es, wenn die Wohnung weihnachtlich geschmückt ist. Ich mag es, gemeinsam zu singen, zu beten zu essen und zu feiern.
Aber was Weihnachten zu Weihnachten macht, das ist für mich dann doch vor allem der Blick auf das kleine Kind in der Krippe. „Die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten“ haben wir in der Lesung aus dem Titusbrief gehört. Hier staunt ein gläubiger Mensch, der Verfasser des Briefes, über die Phantasie und Kreativität Gottes, der nichts unversucht lässt, um den Graben zu überbrücken, der uns Menschen so oft von Gott trennt.
Dieses Staunen steckt mich an. Ich lese diesen Satz und merke, wie er mir körperlich gut tut, wie sich in mir innerlich etwas löst. Es hat etwas von dem Geschmack wie früher, als im Packerl unter dem Christbaum das ersehnte neue Playmobilauto war. Allerdings wird die Freude über dieses Geschenk jedes Jahr größer. Unsere Beziehung mit Gott ist auf weite Strecken ein gar nicht so unkompliziertes Suchen und Finden. Phasenweise frage ich mich auch, warum es uns Gott nicht leichter macht, dass wir, dass alle Menschen ihm auf die Spur kommen können. Aber vielleicht ist das Suchen und Finden eben doch ein ähnlicher Prozess wie in einer Beziehung unter Menschen, wo wir miteinandervertraut werden und dann wieder entdecken, dass wir uns in mancher Hinsicht doch fremd sind und dass diese Fremdheit zugleich den anderen so anziehend und inspirierend macht – ich weiß ja schließlich auch von Beziehungen die zerbrochen sind, weil sich die beiden zu ähnlich waren und die Beziehung deshalb schlichtwegs langweilig geworden ist.
Gott macht´s uns nicht immer leicht, so ähnlich vielleicht auch, wie wir als Kinder auf die Folter gespannt waren den Heiligen Abend zu erwarten um dann endlich zu wissen, was wir heuer geschenkt bekommen. Gott macht uns neugierig und sehnsüchtig und innerlich suchend damit in uns eine Offenheit wächst wo ich dann voll Staunen sagen kann „ja wirklich, die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen retten“.
In diesem Satz kommt für mich Gottes weites Herz zum Ausdruck, er fordert uns heraus, lockt uns, lässt uns warten – aber alles hat das Ziel, dass er alle Menschen zum vollen, glücklichen Leben führen will.
Weihnachten, das ist für mich, die Bitte um das weite Herz. Weihnachten, das heißt für mich, das Kind in der Krippe anzuschauen und mich dran erinnern zu lassen, dass diesem großen, oft auch fremden und so ganz anderen Gott zugleich so viel an mir liegt. Weihnachten das heißt für mich, dass ich mir dieses weite Herz wünsche, dass Gott für uns im kleinen Kind in der Krippe zeigt. Weihnachten heißt für mich, dass ich bei der Krippe erleben darf, der große Gott der mag mich doch tatsächlich. Der macht sich auch heute auf den Weg zu mir.
„Die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten“. Es mag sein, dass diese Botschaft für sie noch verpackt ist, wie ein kostbares Geschenk, das mit viel Phantasie, in mehreren Schichten von Schachtel und Geschenkpapier verborgen ist. Lassen sie sich den Satz auf der Zunge zergehen. Nehmen sie sich in diesen Tagen am besten täglich ein paar Minuten Zeit, zur Krippe zu schauen. Kommen sie mit all ihrer Weihnachtsstimmung und mit dem, wo ihnen gar nicht weihnachtlich zu Mute ist. Gott gaukelt uns keine heile Welt vor. Er kommt uns in unserer Sehnsucht entgegen.

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