Montag, 18. Dezember 2017

Predigt vom 3. Adventsonntag

Am 3. Adventsonntag mit dem Beinamen Gaudete - Freuet Euch hielt Pfarrer Markus Beranek folgende Predigt:

Ich denke, dass kennen wir alle: es ist schwer, sich auf Befehl zu freuen. So schwer, wie wir nicht gut auf Knopfdruck in Weihnachtsstimmung kommen können.
Mich inspiriert jedenfalls dieses Gespräch, dass die religiöse Führungsschicht aus Jerusalem mit Johannes dem Täufer führt. „Ich bin nicht der Messias.“, „Ich bin nicht der Prophet“. Johannes hat in keiner Hinsicht das Bedürfnis, sich gut verkaufen zu müssen oder in irgendeiner Weise die Aufmerksamkeit der Leute auf sich ziehen zu wollen. Von allen hohen Erwartungen grenzt er sich völlig ab.
Für  mich hat das etwas sehr Entlastendes. Wo wir Menschen in der Gegenwart Gottes leben, müssen wir nicht vorgeben etwas zu sein, was unserem inneren Wesen nicht entspricht. Wir müssen uns nicht mit Dingen schmücken, die nicht zu uns passen und uns nicht entsprechen.
Bei seiner Abgrenzung ist Johannes dabei in keiner Weise eine unscheinbare graue Maus. Schon sein Erscheinungsbild in der Wüste, eine asketische Gestalt mit einem Kamelfell bekleidet, zeugt ja nicht gerade von ängstlicher Anpassung. Johannes versteht sich als Stimme, die im Namen Gottes in der Wüste ruft. Ich denke dabei ist für ihn ganz vieles offen. Er weiß, dass in der Gesellschaft etwas in Bewegung ist, er weiß, dass Gott nicht untätig zuschaut aber er weiß sich im Dienst dieses Gottes, der ihm zugleich fremd ist.
Vermutlich waren sich Johannes und Jesus nicht so nahe, wie es uns die sogenannte „Kindheitsgeschichte“ des Lukasevangeliums nahelegt. Die beiden haben sich lange nicht gekannt und anscheinend war erst die Taufe Jesu der Punkt, wo Johannes erkannt hat, dass Jesus der ist, auf den hin er ausgerichtet ist.
Aber indem Johannes nicht vorgibt etwas zu sein, was sich bloß andere von ihm erwarten, indem Johannes sich selbst zurücknimmt lebt er ganz authentisch seine Berufung und findet inneren Frieden und innere Freude.
Auf der Suche nach der Freude, die den heutigen Sonntag prägt braucht ich für mein Leben immer aufs Neue die Fähigkeit zur Unterscheidung. Tue ich etwas nur, um gut dazustehen? Tue ich etwas nur, um die Erwartungen anderer zu erfüllen? Oder tue ich etwas, weil ich spüre, dass ich hier meinen ureigensten Auftrag sehe und leben kann? Das ist laufend zu lernen und zu entwickeln. Aber dieser Unterscheidungsprozess befreit mich vom lähmenden Mantel „man müsste doch eigentlich tun“. Dort, wo  dieser Unterscheidungsprozess gelingt, dort stellen sich innerer Friede und innere Freude über das eigene Leben, den eigenen Weg, die eigene Berufung ein.

Eine alte jüdische Geschichte erzählt dazu folgendes:

Ein alter Rabbiner mit Namen Sussja pflegte seine Lehrmeinung über das Leben mit folgendem Satz zu erklären:
„Wenn ich einmal im Jenseits ankomme, wird man mich nicht fragen: Warum bist du nicht Mose gewesen?
Man wird fragen: Warum bist du nicht Sussja gewesen? Warum warst du immer bloß mehr oder weniger dies, mehr oder weniger das, nur nicht, was dir bestimmt war: Sussja zu sein?
Bloß Sussja – aber dies ganz!“

Und dazu die Bibeltexte vom Sonntag.

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