Sonntag, 3. Dezember 2017

Predigt vom 1. Adventsonntag

Hier ist die Predigt von Pfarrer Markus Beranek vom 1. Adventsonntag:

Der 1. Adventsonntag fällt heuer mit dem Festtag des Heiligen Franz Xaver zusammen. Er ist hier bei uns nicht besonders bekannt. Er gehört der kleinen Gruppe von Männern an, die mit Ignatius von Loyola im 16. Jahrhundert den Jesuitenorden gegründet haben. Sehr bald wurde Franz Xaver dann nach Indien gesandt. Er ist der große Glaubensbote in Südostasien.
Franz Xaver hat sich damals völlig neuen und für Europäer auch völlig unbekannten Lebenswelten ausgesetzt. Mit einer kleinen Gruppe haben sie sich durch die schneebedeckte Landschaft Japans gekämpft mit dem Ziel, an den japanischen Kaiserhof zu gelangen. Franz Xaver hat seine volle Lebensenergie in die Weitergabe der Botschaft Jesu investiert. Und immer stärker hat er zugleich entdeckt, dass das Hinausgehen in neue Kulturen und ferne Ländern ihn auf ganz ungeahnte Weise Gott entdecken lässt.
So schreibt er in einem Brief an seine Mitbrüder

„Wir alle, die wir hier sind, wir haben geglaubt, dass wir es seien, die ihm einige Dienste erweisen, weil wir in diese Länder kommen, um seinen heiligen Glauben zu verkünden: doch siehe, in seiner Güte lässt uns der Herr erkennen und zuinnerst erfühlen, dass Er es ist, der uns seine Gnade, der uns  die unermessliche Gunst erweist, uns nach Japan zu rufen und uns innerlich frei werden zu lassen vom zähen Sich-Klammern an Geschöpfe, die uns hindern würden, immer tiefer an Gott zu glauben und auf ihn zu hoffen und zu vertrauen.“

Erfüllt vom großen Ideal der Mission macht sich Franz Xaver auf den Weg, riskiert sein Leben und entdeckt, wie in all den vielen Herausforderungen Gott auf ihn wartet, wie die Erfahrung der fremden Länder ihn aus seinen bisherigen Gewohnheiten und Denkmustern herauslockt und ihn ermutigt, sich immer mehr Gott anzuvertrauen. Für ihn ist Gott nicht der, der ihm einfach alle Schwierigkeiten aus dem Weg räumt. Franz Xaver entdeckt, dass sein waches Herz ihm hilft wahrzunehmen, wie Gott inmitten aller Herausforderungen auf ihn wartet, wie sich ungeahnte neue Türen öffnen.

Franz Xaver lebt hier diese Haltung der Wachsamkeit, zu der uns heute das Evangelium einlädt. Ich erlebe das als eine ganz unglaubliche Zusage: wenn ich in einen ausgefüllten Tag hineingehe, wenn ich auch ein bisserl Sorge habe, wie ich die Herausforderungen dieses Tages meistern kann, dann versuche ich das wirklich auch ins Gebet zu bringen. „Steh du mir, du guter Gott mit deinem Heiligen Geist bei, dass ich all diese Herausforderungen meistern kann“. So ein Gebet nimmt mir den Druck, bis in letzte Detail für alle selbst verantwortlich zu sein und es macht mich innerlich offen und gelassener.

Franz Xaver formuliert in den folgenden Zeilen seines Briefes die Ahnung, dass Gott auf diese Weise unser ganzes Leben verändern kann:

„Wie müsste dann unser Leben ein Leben des immerwährenden Friedens sein, ein getröstetes Leben, bis in Letzte erfüllt von Freude!“

Adventkranzkerzen und Weihnachtsbeleuchtung erinnern mich daran, dass Gottes Gegenwart auch in den dunklen und mühsamen Phasen des Lebens aufleuchtet oder, um es mit einem Wort des Jesuiten Willi Lambert zu sagen „Gott umarmt uns durch die Wirklichkeit“.

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