Sonntag, 10. Dezember 2017

Die Predigt vom Feiertag Maria Empfängnis

Hier können Sie die Predigt von Pfarrer Markus Beranek nachlesen.

Predigt 8.12.2017

Aufatmen – warum wir dennoch hoffen dürfen. Gott traut dir was zu.

Die kirchliche Tradition gleicht mitunter einer Tiefkühltruhe. Der Inhalt einer Tiefkühltruhe ist zunächst weitgehend ungenießbar, weil gefroren. Man muss die Dinge erst herausnehmen, auftauen oder überhaupt erst zubereiten, dann kann daraus aber ein köstliches Essen werden.
Begriffe wie „Erbsünde“ oder „Jungfrau“ wie wir sie heute im Titel des Festes hören – es trägt ja einen sehr feierlichen und theologisch aufgeladenen Namen „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“ – wirken zunächst einmal für viele abstrakt oder, um im Bild zu bleiben, tiefgefroren.

Machen wir uns deshalb auf den Weg sie aufzutauen, damit sie uns vielleicht auch zur schmackhaften Nahrung werden können.
„Erbsünde“ benennt eine destruktive Dynamik, in der wir als Menschen stehen. In ihrem Einfluss sind wir geistig eng, in unserem eigenen Denken gefangen. Erbsünde bewirkt, dass es Menschen am Wohlwollen, an der Großherzigkeit gegenüber ihren Mitmenschen fehlt und das sie gleichzeitig oder zu aller erst von der Angst getrieben sind zu kurz zu kommen. Für die einen heißt das dann „was denken denn die anderen, wenn ich mich da engagiere, die glauben ja, ich mache mich nur wichtig“. Für die anderen heißt es das Gegenteil: nur ja deutlich und lautstark die eigene Meinung bekunden und möglichst durchsetzen, damit ich ja zu meinem Recht komme. Je nach Persönlichkeitsstruktur hat die Angst unterschiedliche Ansatzpunkte, aber wo sie ansetzt, dort bewirkt sie immer mit Erfolg eines: sie verdirbt die Freude am Leben.

Wenn Maria also frei von der Erbschuld ist, dann hat ihre Beziehungsfähigkeit zu ihren Mitmenschen und zu Gott eine ganz neue Qualität. Dann muss sie sich nicht ängstlich schützen und zurückziehen, sondern dann kann sie, wie es die Geschichte von der Begegnung mit dem Engel Gabriel erzählt, offen und interessiert hinhören, nachfragen und sich auf ein Projekt einlassen, dessen Ausgang sie auch noch nicht wirklich versteht.
So übersetzt geht es also mit „Erbschuld“ nicht um eine abstrakte tiefgefrorene Wahrheit, sondern es geht um einen Weg zu einem lebendigen und glücklichen Leben.
Wörtlich übersetzt grüßt der Engel Maria mit den Worten „freue dich, du Begnadete, der Herr ist mit dir“. Genau dieser Worte wegen ist das Evangelium auch für heute ausgewählt, wie gesagt, wir feiern ja die Zeugung Mariens, nicht die Zeugung Jesu. Aber wir feiern eben: vom ersten Moment hat Gott Maria eine Leichtigkeit und Freude und Unbefangenheit in all ihren Beziehungen geschenkt.
„Jungfrau“ meint weit über alle biologische Bedeutung hinaus genau diese Haltung, sich unbefangen, frohen Herzens auf Gott einlassen zu können.
Wir feiern dieses Fest, weil es uns etwas für unser Leben aufschließen will. Maria ist ein lebendiges Beispiel wie ein gutes Leben gelingen kann. Wenn wir in die Nähe Gottes geraten, so taut nicht nur der theologische Begriff „Erbschuld“ auf, sondern in unserem ganzen Leben lösen sich die Erstarrungen von Angst und Enge. In der Nähe Gottes wird das Herz weit. „Freu dich Maria“ ruft der Engel Maria zu und der Gruß gilt auch uns. In der Nähe Gottes können wir Gottes Zutrauen erfahren. In der Nähe Gottes weicht die Angst unser Leben zu leben. In der Nähe Gottes wächst neue Hoffnung.

Für mich ist Gottesdienst feiern ganz oft so eine Gelegenheit wo ich erlebe, dass ich aus der Enge meines Alltages herausgeholt werde. Wo Gott ist, dort rührt sich die Freude. Wo Gott ist, bekommen wir Menschen Lust, neue Aufgaben anzugehen. Erinnern sie sich an die Geschichte wo Franz von Assisi den Aussätzigen umarmt. Er hat das nicht aus einer angstbesetzten Askese heraus getan. Sondern er ist seinem Herzen gefolgt, und auf einmal hat er eine unglaubliche Freude gespürt.
Das ist die Freude, die Gottes Zutrauen in uns auslöst. Das ist die Freude, die die Angst vertreibt. Das ist die Freude, die das Herz weit macht. Auch unser Herz.
Ich hoffe, sie haben Freude dran, die Schätze der Tradition aus der Tiefkühltruhe zu holen und aufzutauen. Es geht um uralte Erfahrungen, wie das Leben in der Nähe Gottes gelingt.

Deshalb feiern wir Advent: wo Gott uns sein Zutrauen schenkt, dort wird das Herz weit. Maria hat es am eigenen Leib erlebt hat und ist voll Freude zu ihrer Cousine Elisabeth gelaufen ist. Möge diese Freude in uns allen wachsen.

Hier können Sie die Bibel-Texte des Feiertages nachlesen und nachhören.

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