Sonntag, 12. November 2017

Törichte und kluge junge Frauen

Predigt von Pfarrer Markus Beranek am 32. Sonntag 11./12.11.2017

Für mich hat dieses Evangelium schon einen sehr adventlichen Charakter. Das ist gut so, denn heuer ist der Advent sehr kurz. Übrigens auch eine gute Erinnerung: wie der Advent wird, entscheidet sich schon im November – wer jetzt manche Geschenke kauft, hat vielleicht dann weniger Stress.

Stress haben in der Geschichte, die Jesus erzählt, allerdings fünf junge Frauen, die nicht rechtzeitig geplant haben. Heute wäre das Problem z.B. der leere Handyakku, während einige eine power-pack zum Nachladen mithaben. Alle zusammen sind sie vor dem Festsaal versammelt, in dem in den nächsten Stunden eine rauschende Hochzeitsfeier stattfinden soll. Sie alle sind Hochzeitsgäste und warten auf den Bräutigam. Es konnte schon vorkommen, dass sich der auf seinem Weg verspätet, dass es wirklich dunkel wird ist ein außergewöhnlicher Zufall. Die Öllampen sind wichtig, weil sie ja auch als Beleuchtung für das Fest dienen. Plötzlich geht alles ganz schnell, der Bräutigam ist da – die einen gehen in den Saal und jetzt bricht das Bild des rauschenden Hochzeitfest für einen Teil der Gäste ins Gegenteil um: die anderen haben die Gelegenheit verpasst und stehen vor der Tür und das Fest findet ohne ihnen statt.

Auch in dieser Geschichte will Jesus uns innerlich in Bewegung bringen. Das Hochzeitfest ist ein Bild für das volle Leben, ein Bild, dass Gott mit uns Begegnung feiern will: hier heute, mitten in unserem Alltag – und über das Leben in dieser Welt hinaus. Es ist eine ziemlich nüchterne Realität, dass wir diese Gelegenheit immer wieder verschlafen und versäumen können.
Deshalb braucht es Übung, um immer wieder in eine innere Offenheit für Gott zu kommen. Die innere Offenheit für Gott ist die Sehnsucht. Mir helfen für mein eigenes Leben dabei Phasen, wo ich zu allererst für mich selber Seelsorger bin. Zeiten der Ruhe, Zeiten, wo ich in der Natur bin, wo ich ins Museum gehe, aber eben aber auch Zeiten des Betens und der Stille. Wie den meisten Menschen geht es auch mir so, dass ich oft viel um die Ohren habe und dass es nicht einfach ist, mir diese Zeiten regelmäßig zu nehmen. Aber was ich wirklich als Privileg meines Berufes erfahre ist, dass ich ganz selbstverständlich Zeiten habe, wo ich gemeinsam mit anderen bete und Gottesdienst feiere. Ich erfahre das ganz dicht in Wochen, wo wir miteinander unterwegs sind: am Weltjugendtreffen in Krakau letztes Jahr etwa oder heuer in der Sommerwoche in Assisi. Ich spüre ganz deutlich den Wunsch, dass wir drauf achten, dass unsere ganzen Besprechungen auch zuerst Orte sind, wo wir miteinander beten und hinhören, was Gott uns durch die Umstände und Gegebenheiten sagt. Manchmal ist eine völlig überraschende Wahrnehmung von jemand anderen so etwas wie die Stimme Gottes.

Im Blick auf das heutige Evangelium würde ich sagen: Kirche, Pfarre – das ist für mich wie der Ölkrug, der mir hilft, meine eigene Sehnsucht für Gott immer wieder nachzufüllen und lebendig zu halten.
            Ich träume davon, dass unsere Pfarre noch viel mehr als bisher ein Ort ist, wo wir, die wir regelmäßig da sind erleben, wie sehr der Glaube an Jesus uns für unser Leben inspiriert. Ich wünsche mir, dass jedem Einzelnen noch viel mehr bewusst wird: dass ein Gottesdienst gelingt, das liegt an uns allen. Dass wir als Pfarre gastfreundlich sind liegt auch daran, dass jeder von uns auf neue Menschen zugeht. Ich wünsche mir, dass Menschen zum Gottesdienst kommen und erleben: ja, das bringt mich in meinem Leben weiter, hier findet mein Glaube Nahrung.
Und ich glaube, dass das nicht allein mit dem Gottesdienst gelingen kann. Ich erlebe, wieviel Austausch und gegenseitige Begleitung in den verschiedenen Gruppen der Pfarre oft möglich ist: bei der Mariazellwallfahrt, in der Legio, bei der Mütterrunde, in den Männerrunde um nur einige Beispiele zu nennen.
Ich glaube, dass es sich lohnt als Pfarre stark daran zu arbeiten, dass wir weitere Gruppen anstoßen, damit möglichst viele Menschen den Zugang zum Ölkrug haben, dass ihre Sehnsucht wach bleibt und ihr Glaube gestärkt wird. Wir sind Weggefährtinnen und Weggefährten auf dem Weg Gott zu entdecken und zu lieben. Wir sind für einander Inspiration und Impuls, um in der Liebe zu Gott weiter zu wachsen.
Eine Möglichkeit dazu ist der nächste Alphakurs, der am 10. Jänner starten wird.

Für heute gebe ich ihnen wieder eine Frage mit: wo sind für sie Orte und Menschen, wo ihr Glaube Nahrung bekommt, wo die Sehnsucht nach Gott lebendig bleiben kann?

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