Sonntag, 19. November 2017

Sonntagspredigt von den Talenten

Manfred Plattner war am heutigen Sonntag der Prediger des Tages.in der November Predigtreihe "Es ist wirklich Liebe". Wem der ganze Text der Predigt zu lange ist, sollte sich wenigstens die Humorapotheke zu Herzen nehmen:
  • Gewähre deinen Ängsten ihren Auftritt, aber bleibe du selbst der Regisseur deines Lebens.
  • Lass Raum und achte auf die Liebe in allen Dingen. Dir ist von Gott nur soviel zugemutet, wie du auch tragen kannst. Mach was draus, versteck dich nicht, riskiere, trau es dir zu!
  • Bringe heute jemanden zum Lachen (caritativer Dienst!) und lache mit ihm, nicht über ihn.
  • Lach ab und zu auch mal über dich selbst!
Für Lesefaule  gibt es die Predigt auch als Audio (Sie brauchen sich bei Dropbox nicht anmelden, einfach auf den blauen Pfeil klicken - schon beginnt Manfred mit dem Hall des Kirchenfeelings zu predigen).


Predigtreihe: Es ist wirklich Liebe - Gott lieben
Liebe vertreibt Angst

Manfred Plattner
Foto: E. Henk
Ein heftiges Evangelium, finden Sie nicht? In unserer Predigtreihe wollen wir heute einen weiteren Blick auf Gottes Liebe versuchen. An den vergangenen Sonntagen haben wir immer andere Aspekte hervorgehoben. Heute geht es um den Aspekt der Angst.

Ein Meister sagte zu seinen Schülern: Was ihr Liebe nennt, ist in Wirklichkeit ein Geschäft. Entsprich meinen Erwartungen, gib mir was ich möchte, und ich werde dich lieben. Weise mich ab, und meine Liebe schlägt in Groll und Gleichgültigkeit um. Und er erzählte von dem Familienvater, der nach einem anstrengenden Arbeitstag  zu seiner Frau und seinem niedlichen, drei Jahre alten Töchterchen nach Hause kam.

"Bekommt Papa einen Kuss?"
"Nein!"
"Schäm dich. Dein Papa muss den ganzen Tag hart arbeiten um Geld nach Hause zu bringen und du behandelst ihn so. Wo ist der Kuss?"
Das niedliche, drei Jahre alte Töchterchen schaute ihm in die Augen:
"Und wo ist das Geld?"

In dieser kleinen Weisheitsgeschichte von dem Schriftsteller und Jesuitenpater Anthony de Mello zeigt sich eine verzerrte Vorstellung von Liebe: Liebe als Geschäft. Wirkliche Liebe aber ist kein Geschäft. Der Vater des Kindes wird sich wohl Zeit für seine Tochter nehmen müssen, mit ihm spielen um so den ersehnten Kuss freiwillig von seiner Tochter zu erhalten. Dann ist es wirklich Liebe, aber nicht, wenn er vom Geld spricht.

Auch im Gleichnis vom anvertrauten Geld geht es eigentlich um die Frage nach der wertschätzenden Liebe, die dem, der sie annimmt, Anteil an der Freude des Herrn gibt.

Man sollte man beim Lesen dieser Bibelstelle 3 Dinge beachten:

  • sie ist keine Anweisung für Menschen, die an chronischer Angst und Depression leiden
  • sie erteilt keine Berechtigung, andere in Tüchtige und Untüchtige einzuteilen
  • sie enthält verschiedene Perspektiven: 


  1. der vermögende Herr, der auf Reisen geht: Er traut seinen Dienern etwas zu, jedem nach seinen Fähigkeiten
  2. die beiden Diener, die tüchtig sind, die Talente vermehren und das ihnen Anvertraute verdoppeln und erhalten Anteil an der Freude des Herrn, sie erhalten größere Aufgaben
  3. der dritte Diener: er erhält am wenigsten und ist vor allem auf den strengen Herr fixiert, er Angst das eine Talent zu verlieren und dann bei der Rückkunft des Herrn am Ende ohne 


    • etwas dazustehen, die anderen haben mehr - ich sowenig. 
    • Vielleicht ist es auch die späte Erkenntnis, das eine Talent nicht genutzt zu haben, das in ihm Tränen und Wut, Heulen und Zähneknirschen auslöst. Er fühlt sich  hinausgeworfen, ausgegrenzt und isoliert. 


Sie kennen das: Ein Hund schnappt nach einem Ast. Er verbeißt sich und sie können den Hund mit dem Ast - wenn sie stark genug sind, hochheben. Er wird ihn nicht loslassen und erst nach langem Kampf knurrend aufgeben. So erscheint mir das Handeln des dritten Dieners zu sein: festgefahren, verbissen in seiner Angst, fixiert auf die Strafe des Herrn.

Das Problem liegt tatsächlich in der Angst. Die Angst des Dieners besteht darin, dass er sich einem übermächtigen Herrn gegenüber sieht, ihm gegenüber ohnmächtig und in Angst erstarrt. Er hat das Geld eingegraben! Am besten ist es, sich tot zu stellen und alles unverändert zu lassen, damit der Herr nicht schimpft.

Diese Haltung gibt es leider bei uns Menschen oft in ziemlich vielen Lebensbereichen, in Partnerschaften, Ehen, Familien, im öffentlichen Leben, im Berufsleben, im Umgang mit sich selbst  und auch im Glauben an Gott. Ich denke da nur an jene Verzerrungen von Frömmigkeit, die jede Veränderung als böses Werk beurteilen und Erneuerungen in ihrem Entstehen festhalten und verhindern.

Ich hab jetzt eine gute und eine schlechte Nachricht:
Die gute: Gottes Liebe ist viel größer, als wir es uns je vorstellen können!
Die schlechte: diese 3 Diener leben auch in jedem von uns. Ihr Verhalten ist auch unsere Praxis.

Oft wird uns etwas anvertraut, wir haben mehr oder weniger Talent und es gelingt uns etwas, weil wir riskieren und etwas draus machen. Da entsteht Freude über das Gelingen und wir wachsen in und an unserer Aufgabe.

Aber es gibt auch die Situation, dass wir nichts zusammenbekommen. Wir haben Angst zu versagen, glauben zu wenig Talent zu haben, geben uns auf und fixieren uns aufs Versagen. Im Nachhinein tut es uns dann oft leid, oft ärgern wir uns auch über uns selbst und hegen einen heimlichen Groll in uns, über die verpasste Chance. Andere sind dann Schuld, ober wir selbst vergraben uns im Opfersein.

Aber wir müssen nicht in Angst erstarren! Wir können uns der Angst entgegenstellen!
Eine Möglichkeit ist für mich persönlich der Humor. Ich erlebe ihn als ein Schutzschild gegen Angst, als Ausdruck von Liebe durch heilsames Lachen. Humor ist, wenn man trotzdem lacht!
Allerdings muss man auch hier unterscheiden:

Es gibt ein HEILSAMES LACHEN und ein VERNICHTENDES LACHEN:
Nur das heilsame Lachen stellt die Balance im Leben wirklich wieder her, indem es ernste Dinge absurd erscheinen lässt. Humorvolle Menschen bringen einen zum Lachen - vielleicht auch eine Tat der Nächstenliebe: das zum Lachen "Bringen"! Echter Humor hat auch etwas mit Loslassen zu tun.

Bei Humorlosigkeit aber ist es wohl ähnlich wie bei dem Hund der verbissen seinen Stock festhält und nicht hergibt. Das vernichtende Lachen fletscht die Zähne, es bedroht andere in Herabwürdigungen und Beleidigungen. Da kann man meist auch nicht wirklich von Herzen lachen, sondern eher höhnisch grinsen. Dieses schenkelklopfende Hohngelächter befreit nicht wirklich von Angst, sondern schürt sie, weil ihm der Funke die Liebe fehlt.

4 Tipps gegen die Angst (eine Art Humorapotheke)

  • Gewähre deinen Ängsten ihren Auftritt, aber bleibe du selbst der Regisseur deines Lebens.
  • Lass Raum und achte auf die Liebe in allen Dingen. Dir ist von Gott nur soviel zugemutet, wie du auch tragen kannst. Mach was draus, versteck dich nicht, riskiere, trau es dir zu!
  • Bringe heute jemanden zum Lachen (caritativer Dienst!) und lache mit ihm, nicht über ihn.
  • Lach ab und zu auch mal über dich selbst!

Mir ist schon klar, dass es Zeiten gibt, wo das Leben schwer ist, wo es uns schwer fällt zu lachen, weil uns eigentlich zum Weinen ist. Vielleicht geht es heute einigen so. Ich wünsche Ihnen, dass sie einem Menschen begegnen, der Ihnen ein liebevolles Lachen schenkt, das Sie tröstet und ermuntert.

Trotzdem ein humorvoller Ausklang:
Die kleinen Mäusekinder spielen vor dem Mauseloch in der Sonne. Plötzlich ein Schatten: die Katze! Die Mäusekinder sausen ins Loch: "Mama, Mama, die Katze!"
"Kein Problem!", sagt die Mäusemama, steckt den Kopf aus dem Mäuseloch und bellt:
"Wau, Wau ...!" Die Katze kreischt und flüchtet.
"Seht ihr, Kinder", sagt die Maus,
"Wie gut es ist, wenn man Fremdsprachen beherrscht ..."

Ja, die Sprache der Liebe scheint manchmal auch wie eine Fremdsprache für uns.
Aber sie schützt uns gegen die Angst. Wenn wir also nicht in Angst erstarren wollen, die Sprache der Liebe hören, erhaschen wir schon das ein oder andere Lächeln, das uns gut tut und weiterhilft und bekommen Mut zu neuer Tat. Auch wir könnten jene sein, die mit einem Lächeln die Welt verändern.

So erhalten wir Anteil an der Freude des Herrn.
DENN: Seine Liebe ist kein Geschäft. Seine Liebe vertreibt die Angst. Seine Liebe ist wirklich "Liebe".

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Wir freuen uns über jeden Kommentar. Und da wir mit konkreten Menschen kommunizieren wollen, bitten wir Sie, nicht anonym zu kommentieren.