Donnerstag, 2. November 2017

Eine Allerseelen-Predigt

Zur Abendmesse zu Allerseelen werden von der Pfarre alle Angehörigen der Verstorbenen des vergangenen Jahres eingeladen. Viele waren auch gekommen und konnten sehen, dass für ihre Lieben vor dem Altar eine Kerze zur Erinnerung an diese Menschen angezündet war. Der Kirchenchor der Pfarre gestaltete unter der Leitung von Beate Kokits den Gottesdienst musikalisch und Pfarrer Markus Beranek hielt folgende Predigt:

Ich bin überzeugt: Gott will, dass es uns gut geht. Der rote Faden der Bibel kommt immer wieder auf diesen Punkt zurück. Manchmal erleben wir das auch, wenn Menschen sterben – etwa wenn sie im hohen Alter lebenssatt an Jahren im Kreis ihrer Familie Abschied nehmen können. Aber oft genug ist es überhaupt gar nicht so. Einige von ihnen haben im
vergangenen Jahr oder schon länger zurück erlebt, dass liebe Menschen viel zu früh sterben und dass eine klaffende Wunde oder ein schwarzes Loch bleiben.
Und auch sonst erleben wir ja immer wieder Situationen im Leben, die anders laufen, als wir es uns gewünscht haben: ein Projekt im Beruf, in das viel Herzblut geflossen ist geht schief. Eine Beziehung zerbricht. Eine unerwartete Krankheit zehrt an unserer Lebensqualität. Und Mitunter stellt sich dann die Frage warum? Warum ich? Warum lässt Gott das zu?
Die Lesung aus dem Buch Ijob weist eine erste Fährt auf: hab keine Scheu mit Gott so zu reden, wie dir der Schnabel gewachsen ist. Wer mit Gott hadert, wer Gott anklagt, wer sich gegen Gott aufbäumt, der bleibt in Beziehung und er bleibt in einem inneren Prozess.
Da ist es gut und lebenswichtig, dass es Wegbegleiter gibt, liebe Menschen, wo wir nicht stark sein müssen, wo wir uns nicht verstellen müssen, wo wir uns nicht rechtfertigen müssen, dass uns noch Jahre später die Tränen kommen.
Wenn sie gerade in dieser Phase sind, dann ermutige ich sie zu trauern und sich nicht zu schämen und kein schlechtes Gewissen zu haben und sich nicht einreden zu lassen, dass sie schon weiter sein müssten.
Irgendwann ist die Zeit reif für einen nächsten Schritt – dazu einen weiteren Aspekt. Da geht es darum sich auf den langen Weg zu machen, mit allem Schmerz, mit allen Verletzungen und Verwundungen einfach vor Gott da zu sein. Hier meine ich die Haltung, wo ich meine Trauer, meine Enttäuschung, meine Verletzung, meine Wut…was auch immer spüre und sie nicht verleugnen muss. Mir hilft das im Alltag oft sehr, Dinge , die Misslungen sind, Fehler, die ich gemacht habe, Unsicherheiten, die ich bei Entscheidungen spüre in einer Zeit der Stille einfach vor Gott da sein zu lassen ohne sie zu beschönigen oder zu verleugnen. Oft kommt dann Unruhe auf, mitunter werden ganz alte Verletzungen spürbar.
Und immer wieder komme ich zu dem Punkt, wo langsam Frieden einkehrt. Wo in der Dunkelheit ein dunkles Licht zu leuchten beginnt. Wo sich Unruhe und Anspannung lösen.
Ich mag die alte Darstellung des „Gnadenstuhls“ aus der Gotik und der Barockzeit, wo Gottvater in einen Bischofsornat gehüllt seinen zu Tode gemarterten Sohn am Kreuz in die Welt hineinhält oder noch stärker, wo er den toten, verwundeten Jesus in seinen Armen hält.
Diese Darstellung beantwortet nicht die Frage „warum“. Aber es drückt das aus, was wir im Evangelium gehört haben: „so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn dahingab“. Jesus hat sich für mich verwunden lassen, dass ich in meinen Wunden und Verletzungen nicht allein dastehe und bloßgestellt bin. Er stellt sich zu mir, er hält in der Dunkelheit bei mir aus und die Dunkelheit bekommt für mich dann für mich oft ein ganz bergendes, tröstliches Gefühl, wie, wenn ich im Advent an einem dunklen Abend die Adventkranzkerzen anzünde.
In solchen Momenten erlebe ich, dass Gott mich – trotz allem – wirklich liebt und dass ich – trotz allem – von ihm nicht loskomme und nicht anders kann als ihn inmitten meiner Dunkelheit zu lieben.






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