Mittwoch, 1. November 2017

Eine Allerheiligenpredigt

Predigt von Pfarrer Markus Beranek - Allerheiligen 2017

Vor 20 Jahren hatte ich die Möglichkeit am Treffen der lateinamerikanischen Basisgemeinden teilzunehmen. Einer der Höhepunkte dieser Tage war die Feier der Märtyrer Lateinamerikas. An die 3000 Menschen waren in einem Stadion versammelt. Bei der Lesung aus der Offenbarung des Johannes (Offb 7, 2-4.9-14), die wir auch heute als erste Lesung gehört haben, zog eine große Zahl von Frauen und Männern in weißen Gewändern mit einem Palmwedel in der Hand ein. Es ging aber nicht nur um das Nachspielen dieser Bibelstelle. Denn jede/ jeder von ihnen nannte den Namen einer Person, die in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten gewaltsam ums Leben gekommen war. Noch bewegender war die darauf folgende Phase. Die Mitfeiernden waren nun eingeladen, auch selbst Namen jener Frauen und Männer zu nennen, die in ihren Gemeinden im Einsatz für andere Menschen gewaltsam ums Lebens gebracht worden waren. Es wurden unzählige Namen genannt: vor uns, hinter uns, neben uns, von überall her Stimmen, die Namen von Menschen nannten, die sie gekannt hatten.

Die Offenbarung des Johannes ist ein Trostbuch für Christen in der schwierigen Lage der Christenverfolgung. Sie wurde um das Jahr 100 niedergeschrieben. Bei all den Katastrophenszenarien die geschildert werden geht es um die Botschaft: all das geschieht schon jetzt, aber vergesst nicht, Gott lässt euch nicht im Stich, er steht an eurer Seite.

Auch heute leben wir in einer Zeit der Christenverfolgung. Weltweit werden unzählige Menschen benachteiligt, verfolgt und unterdrückt, weil sie Christen sind. In Europa und Österreich leben wir da zum Glück in einer besseren Situation. Aber auch hier machen Menschen immer wieder die Erfahrung, dass sie von Arbeitskollegen und Bekannten belächelt werden, wenn sie davon erzählen, dass sie in die Kirche gehen oder sich im kirchlichen Kontext engagieren. Darüber hinaus: auch für gläubige Menschen ist das Leben mitunter mühsam und mitunter bringt die Auseinandersetzung mit dem Glauben noch zusätzliche Herausforderungen mit sich. Der Glaube an Gott, die Liebe zu Gott kann ganz schön weh tun.

In solchen Phasen helfen mir die starken Bilder aus der Offenbarung des Johannes. Sie weiten meinen Blick. Sich erinnern mich daran, dass ich nicht der erste und einzige bin, in dessen Leben es mühsam zugeht. Sie machen mir aber auch bewusst, dass ich mich von den mühsamen Dingen des Lebens nicht total in Beschlag nehmen lassen muss. Oft geht es darum, dass beides da sein darf: das Mühsame und zugleich die Freude am Gott, am Glauben, am Leben.

Ich kehre nochmals zurück zu unserer Reise nach Brasilien. Im Anschluss an den Kongress haben wir einen Slum besucht. Die Menschen dort hatten in den letzten Jahren viel Energie in ihr Umfeld und ihre Lebensbedingungen investiert, mit Erfolg. Mittlerweile gab es einen Kanal, Wasser und Strom. Die Hütten waren einfach, aber sehr gepflegt. Mit einer Gruppe haben wir dann Eucharistie gefeiert. Am Beginn des Wortgottesdienstes wurde von einer afrikanisch stämmigen Frau die Bibel nach vorne getragen. Es war aber nicht die übliche liturgische Evangelienprozession, sondern die Frau tanzte voller Freude mit der Bibel nach vorne. Ganz sicher hatte sie schon viele mühsame Dinge in ihrem Leben erfahren. Ganz sicher war es für sie auch nicht immer leicht gewesen zu glauben. Aber jetzt, in diesem Moment konnte sie etwas von der himmlischen Liturgie verkosten. Jetzt brachte sie mit ihrem ganzen Körper zum Ausdruck, dass sie trotz aller mühsamen Dinge des Lebens die Freude am Glauben nicht verloren hatte hatte.

Verlernen sie es nicht zu tanzen….!

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