Montag, 27. November 2017

Die Christkönigs-Predigt

Am Christkönigssonntag, dem 26. November, hielt Pfarrer Markus Beranek folgende Predigt:

„Mir reicht´s - jetzt nehme ich die Dinge selbst in die Hand“. Die Lesung aus dem Buch Ezechiel eignet sich gut für Menschen die der Politik oder Kirche überdrüssig sind, weil sie sich darüber ärgern, wie Menschen hier agieren.
„Jetzt will ich meine Schafe selber suchen und mich selber um sie kümmern“  - lässt Gott seinem Volk durch den Propheten Ezechiel ausrichten. Er mag diese Menschen und er hat sich das kleine Volk Israel ausgesucht, damit er dort für alle anderen Völker ein Beispiel setzen kann, wie glückliches Leben und gelingendes Zusammenleben funktionieren kann. Die Könige Israels haben allerdings oft genug diese Absicht Gottes massiv torpediert.  Für uns greifbarer die Kirchengeschichte, wo Päpste, Bischöfe, Pfarrer und so weiter oft genug mehr ihre Pfründe im Blick hatten als das Wohl der Menschen, für die sie eigentlich eingesetzt waren oder sind.
Der Christkönigssonntag erzählt uns von der Kirchenkrise Gottes. Auch Gott plagt sich phasenweise ziemlich mit seinem Volk. Wenn Ezechiel nun erzählt, dass Gott selber die Initiative ergreift, so bleibt das bis heute aktuell. In gewisser Weise ist die Kirche ein Vehikel, ein Mittel zum Zweck, denn letztlich geht es darum, dass wir alle samt ganz unmittelbar mit dem lebendigen Gott in Berührung kommen.
Wenn Menschen erzählen, wie sehr ihnen das Gebet hilft, wenn Menschen tagsüber in die Kirche kommen und die tröstende Nähe Gottes  spüren, wenn Menschen unter großer Ungerechtigkeit leiden und trotzdem liebevoll bleiben, dann wird auch heute deutlich, dass Gott selber die Initiative ergreift und sich um jeden Menschen kümmert.
Dabei bleibt er auf Mitstreiter angewiesen. Die Rede vom Weltgericht bei Matthäus macht deutlich, wie Christus als der König nun seine Verbündeten hervorhebt. Er spricht nicht davon, dass sie besonders fromm waren und viel von Gott geredet haben. Sondern er nennt lauter ganz klassische Notsituationen, in denen sie nicht weggeschaut haben.
Natürlich begegnet uns in der Rede vom Weltgericht wieder ein gewaltiges Bild, das mit dem Stilmittel des scharfen Kontrastes arbeitet um die Botschaft provokanter zu formulieren. In ihrer realistischen Einschätzung werden sich wohl viele Menschen sowohl bei den Schafen als auch bei den Böcken finden. Wieder geht es Jesus nicht drum, uns Angst zu machen, sondern er will uns deutlich machen, worauf es im Leben ankommt: nämlich darauf, dass wir ein Gespür für die Verwundeten, die Kleinen und Schwachen entwickeln – und das diese verwundeten, kleinen und schwachen Seiten auch in uns stecken.
Christus, der König ist der gute Hirt, der sich verwunden lässt, um uns in den Wunden unseres Lebens nahezukommen.  Vielleicht ist genau das der Weg, auf dem auch unsere Liebe handgreiflich wird: dass wir uns eingestehen, wo auch wir verwundet sind und dass wir nicht das Ziel unseres Lebens darin sehen, unverwundbar zu sein. Dieser barmherzige Blick auf unsere Wunden bewahrt uns vor falschem Mitleid und bewahrt uns vor falscher Distanz. Er macht uns berührbar, lässt uns Menschen aus Fleisch und Blut sein. Und damit sind wir fähig so wie Gott auch selber Hirtin oder Hirte zu sein.

Hier gibt es dazu die Bibeltexte dieses Tages zum Nachlesen und auch Nachhören..


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