Montag, 16. Oktober 2017

Über eine königliche Hochzeit



Predigt 28. Sonntag im Jahreskreis (Mt 22,1-14),
von Pfarrer Markus Beranek




Ein kostenloses Essen. Ein mehrtägiges Fest. Ein paar Tage, wo der Kampf ums tägliche Überleben unterbrochen ist. All das schwingt mit, wenn die Diener auf die Straße hinausgehen, um alle, die sie treffen zur königlichen Hochzeit einzuladen.

Für die Zeitgenossen Jesu war es eine völlig absurde Vorstellung, eine Hochzeitseinladung zu ignorieren, wie es im ersten Teil des Gleichnisses erzählt wird. Aber auch in dieser Geschichte schwingt wieder der Schmerz Jesu mit der erlebt. Seine Botschaft des anbrechenden Gottesreiches war und ist für ihn mit diesem Hochzeitsfest vergleichbar. Der Gott, den Jesus verkündet, der will uns die Lebensfreude eines solchen Festes schenken.

Der erste Teil des Gleichnisses erzählt davon, wie Menschen Gott im Alltag ausweichen. Zum Beispiel, indem sie unendlich beschäftigt sind: mit ihrer Arbeit, mit vielen Gedanken, mit dem Reden über die Mitmenschen. Oder indem sie beständig das Gefühl haben benachteiligt zu sein, neidvoll auf die anderen schauen, sich ständig am falschen Platz fühlen. Die Hochzeitsgäste die auf ihren Acker oder in ihr Geschäft gehen oder gar über die Diener herfallen, stehen für sie. Jesus spielt damit auf all die frommen Menschen seines Volkes an, deren Frömmigkeit sie nicht näher zu Gott führt.

Im zweiten Teil des Gleichnisses gehen die Diener des Königs hinaus auf die Straße und laden dort die Leute ein. Jesus kommen dabei ganz viele Gesichter von Menschen, die sonst als Außenseiter gegolten haben: Levi oder Zachäus, die Zöllner, denen er begegnet ist, die syrophönizische Frau, der er zuerst so eine scharfe Abfuhr erteilt hat. Jesus weiß: dort, wo Menschen in ihrem Leben verwundet sind, dort ist oft die Sehnsucht besonders groß. Die Wunde, die innere Verletzung kann zu einer Tür werden, wo Menschen die Nähe und Zuwendung Gottes ganz besonders wahrnehmen.

Das Bild des Hochzeitsmahles muss für unser Leben nicht bedeuten, dass alle Schwierigkeiten beseitigt sind, dass es keine Leid, keine Sorgen, keine Krankheit, keine Einsamkeit mehr gäbe. Das Bild des Hochzeitsmahles in diesem Gleichnis erinnert uns daran, dass Gott uns in jedem Moment unseres Lebens begegnen kann: in der Freude und im Leid, in der Gesundheit und in der Krankheit, in der Gemeinschaft und in der Einsamkeit.

Dann kommt noch der Mann, der kein Hochzeitsgewand anhat. Vermutlich bekamen Hochzeitsgäste mit der Einladung ein eigenes Festgewand geschenkt. Mein Eindruck ist, dass dieser Mann einfach in einer Haltung der Gleichgültigkeit lebt. Und wenn mir ein anderer Mensch im Grunde egal ist, dann wird bei der Begegnung nichts rauskommen – mit Gott ist es dann nicht anders.

Wir können die Begegnung mit Gott nicht erzwingen. Wir können uns nur innerlich bereiten, offen halten und auch die dunklen Seiten aus der Begegnung mit Gott nicht aussparen. Mitunter können gerade die Wunden des Lebens dann zum Eintrittstor in den Hochzeitssaal werden.

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