Sonntag, 1. Oktober 2017

Predigt 26. Sonntag – 1.10.2017

Die Sonntagspredigt von Pfarrer Markus Beranek.
Die Situation in Jerusalem nach dem Einzug Jesu ist ziemlich angespannt. Diese Spannung prägt das Gleichnis. Denn seine Gesprächspartner identifiziert Jesus mit dem älteren Sohn. Das sind die Hohenpriester und die Ältesten. Die Führungsebene innerhalb des Judentums. Oder in der Gemeinde des Matthäus die, die schon lange da sind – oder heute, die Gottesdienstbesucher, die immer schon da waren. Jesus hat nichts gegen sie. Was ihn aus tiefster Seele stört ist aber die bei einigen von ihnen verbreitete Haltung von sich selber überzeugt zu sein und auf andere abwertend hinunterzuschauen.
Jesus sieht ein ziemliches Potential bei denen, die er mit dem zweiten Sohn identifiziert: bei den Zöllnern und Dirnen. Den Außenseitern der damaligen Gesellschaft. Er rechtfertigt nicht ihren Lebensstil – er weiß nur darum, dass diese Menschen vielmehr um ihre Zerbrechlichkeit und ihre wunden Seiten wissen und deshalb ganz andere Antennen haben, Gottes Zuwendung und Barmherzigkeit aufzunehmen.
Viele von uns, die regelmäßig zum Gottesdienst kommen, sind selbstverständlich mit dem Glauben aufgewachsen, jeden Sonntag in die Kirche gegangen. Das ist auch ein Geschenk. Aber unsere Versuchung könnte die des älteren Sohnes sein: zu meinen, dass uns eh alles bekannt und vertraut ist, dass wir eh zu wissen meinen wie Gott ist, dass wir uns eh schon abgefunden haben, dass unsere Glaube die anderen nicht interessiert, dass vor lauter Selbstverständlichkeit die Sehnsucht verschüttet ist. Mitunter erleben sogenannte „Fernstehende“ - im übertragenen Sinn die Zöllner und Dirnen von heute - Gott viel überraschender, weil ihre Sehnsucht wacher und lebendiger ist, weil die Sehnsucht oft gerade in den Brüchen und Abbrüchen des Lebens mit voller Wucht spürbar wird.
Jesus selbst jedenfalls ist nicht bei Worten geblieben. Er hat aus tiefstem Herzen zu Gott ja gesagt und ist seinen Weg bis in den Abgrund des Todes gegangen, wie wir es in der Lesung aus dem Philipperbrief gehört haben. Weil ihm die Abgründe und Dunkelheiten des Lebens vertraut sind können Menschen ihm mitunter gerade in den Umwegen und Brüchen begegnen und dann mit großer Dankbarkeit aus tiefstem Herzen den Willen des Vaters tun.

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