Sonntag, 22. Oktober 2017

Dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört




Predigt 29. Sonntag im Jahreskreis (Mt 22,15-21),
Sonntag der Weltmission
von Pfarrer Markus Beranek


Seit Wochen begegnet uns in den Evangelien eine frostige Stimmung. Jesus ist in Jerusalem angekommen, bei der religiösen Führungsschichte stößt er auf zunehmende Ablehnung und sucht doch das Gespräch mit ihnen, um ihnen seine Sicht und sein Verständnis von Gott zugänglich zu machen. Heute sind sie es aber, die von sich aus das Gespräch suchen – nicht aus lauterer Absicht, sondern um Jesus zu einer Aussage zu verführen, die es ihnen leichter macht gegen ihn vorzugehen.

Indem sie aber die Frage nach der Rechtmäßigkeit der Steuer aufwerfen, zeigen sie aber zugleich, wie sie selber denken. Natürlich, ihre Lebenssituation als gläubige Juden ist wirklich nicht einfach. Sie leben in einem besetzten Land. Anders als zu früheren Zeiten muss sich die Ausübung des Glaubens an staatlichen Vorgaben orientieren, die sie sich nicht selbst ausgewählt haben. EineVorgabe ist es dem römischen Kaiser, der kein Jude ist, der ein Weltreich regiert, Steuern zu zahlen. Ist das rechtmäßig? Kommt der Kaiser nicht Gott in die Quere? Kann ein gläubiger Mensch die Autorität eines „Ungläubigen“ anerkennen. Wäre nicht vielmehr ziviler Ungehorsam gefragt? Aber die Konsequenzen wären doch absehbar. Keine Steuern zahlen, das wäre eine Rebellion gegen den Kaiser und würde umgehend ihre relative Autonomie gefährden. Was also tun?

Die religiöse Autoriät arrangiert sich mit der staatlichen Macht und versucht gleichzeitig ihre eigenen Bereiche abzusichern. Sie errichten religiöse Schrebergärten und zerbrechen sich den Kopf über alle möglichen Details des religiösen Lebens. Und für viele von ihnen bleibt dann nur noch ein Glaube über, der darin besteht, bestimmte Regeln und Gewohnheiten zu befolgen.

Jesus teilt diese Aufspaltung in einen zurückgezogen frommen Schrebergarten und in eine durch den Kaiser repräsentierte böse und feindliche Welt nicht. Für ihn ist Gott überall da und auch der Kaiser hat von Gott seine Macht. Das ist genau die Überzeugung, die auch in der Lesung aus dem Jesajabuch zum Ausdruck kommt.

Ich erlebe ja selber jeden Tag die Versuchung, dass ich beim pfarrlichen Alltag hängenbleibe. Dass die Gottesdienste laufen, die Taufen und Begräbnisse stattfinden und das Geld für das Darsehen von der Pfarrzentrumsrenovierung zusammen kommt. Solange dann der Fokus nur bei solchen Dingen bleibt, drängt es sich auf drüber zu jammern, dass wir als Kirche an Terrain verlieren. Dass der Glaube den Menschen heute nicht mehr so wichtig scheint. Dass heute alles schwerer ist als früher. Es geht nicht einfach drum Dinge zu bewahren, sondern es geht drum, dass wir den großen Blick wieder lernen. Der Herrschaftsbereich des Kaisers ist vor allem auch die Welt Gottes. Dem Kaiser Steuern zahlen heißt, gerade als gläubige Menschen, diese Welt, diese Gesellschaft, diese Stadt mitzugestalten. Dem Kaiser Steuern zahlen heißt, dass ich als Christ für die Menschen, die ich da draußen vor der Kirche treffe, nützlich sein kann. Der Gottesdienst ist die Einübung, aber wenn ich mit der Überzeugung die Kirche verlasse, dass ich jetzt wieder mein religiöses Bedürfnis für eine Woche gestillt habe, dann bleibt er nutzloses Trockenschwimmen. Spannend wird es, wenn Sie sich jetzt die Frage stellen, wem sie dann, wenn sie aus der Kirche rausgehen, ihre Zeit, Energie und Aufmerksamkeit schenken können.

Wenn die rund 600 Menschen, die jeden Sonntag hier in Stockerau in die Kirche gehen, am Ende rausgehen und wissen „ich habe eine Verantwortung für diese Stadt, für das Miteinander, für den Zusammenhalt, ich kann auf meine Weise dazu beitragen, dass sich in der Familie, in der Nachbarschaft, aber vielleicht auch in größeren Projekten etwas weiterentwickelt“, dann kommt in der Stadt immer mehr in Bewegung. Dann klagen wir nicht über den Kaiser und seine Steuer und über die schlechte Welt von heute, sondern dann bricht im Reich des Kaisers das Reich Gottes an. Solche selbstbewusste Christen, denen es an dieser Stadt und an den Menschen hier auch weiterhin und noch viel mehr liegt, sind Missionare. Gesandte Jesu in einer bewegten Welt.

Der heutige Sonntag der Weltmission erinnert uns daran, dass wir als Christen eine „mission“ haben. Wir sind Gottes Augen und Ohren, Hände und Füße in dieser Stadt und in dieser Welt.

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