Sonntag, 24. September 2017

Predigt vom 24. September 2017

Predigt 25. Sonntag im Jahreskreis

Vielleicht ist ihnen am Ende des Evangeliums der Satz aufgefallen „oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin?“. Der Text der neuen Einheitsübersetzung folgt wörtlich dem griechischen Text und gibt einen treffenden Hinweis. Der Arbeiter der ersten Stunde hat „ein böses Auge“, einen neidischen Blick auf die Arbeiter, die zum Schluss gekommen sind, weil er sich benachteiligt fühlt. Jesus weiß natürlich, dass er hier eine Geschichte erzählt, die massiv an unserem Gerechtigkeitsempfinden kratzt. Er weiß, dass dieses „böse Auge“ auch in vielen seiner Zuhörer wach wird. Aber genau darüber will er ja mit ihnen und uns nachdenken.
Der Gutsbesitzer hat eine andere Perspektive. Er zahlt den einen den gerechten Lohn, aber er schaut mit einem „wohlwollenden Auge“ auf die Arbeiter, die zu  spät gekommen sind. Bekommen sie weniger als einen Denar ausgezahlt, so kommen sie in die schwierige Lage, ihre Familien nicht ernähren zu können. Irgendwer müsste dann hungrig ins Bett gehen. Sowohl die einen als auch die anderen sollen genug zum Leben haben, das ist das Ziel. Gerecht ist der Lohn ja ohnehin für jene, die den ganzen Tag gearbeitet haben. 
Ein Denar, um gut leben zu können – der wird zum Symbol für das Himmelreich, das uns Jesus zugänglich machen möchte. Das Himmelreich ist dort wo das „böse Auge“, der neidvolle Blick auf die anderen, die Angst und das zu-kurz-gekommen-Sein überwunden werden durch die Entdeckung: Gott ist großzügig, Gott beschenkt mich – und er beschenkt andere auf ihre Weise. Mit anderen Worten: Jesus ermutigt uns zuerst auf das schauen, was uns gegeben ist, auf das zu schauen, was wir selbstverständlich genießen dürfen und darin Gottes Weite und Barmherzigkeit zu entdecken. Es ist die Einladung, dass wir die Begabungen, Fähigkeiten und Möglichkeiten, die wir haben einsetzen und nützen. Der „böse Blick“ verführt Menschen beständig dazu, auf andere hinzuschauen: was sie mehr haben, was sie besser können, was ihnen gegeben ist, was mir nicht gegeben ist und die Haltung macht auf Dauer unzufrieden, neidisch und eng, vergiftet das Leben und hindert uns den Schatz zu entdecken, den Gott in uns hineingelegt hat. 
Eine ganz kleine Übung könnte es sein, eine Woche lang einmal konsequent jeden Tag drei Dinge zu suchen, die mich dankbar machen. Die kleine Übung kann helfen, die großzügige und wohlwollende Haltung Gottes ein klein wenig einzuüben. Denn man lebt damit wahrlich besser als „mit einem „bösen“ Auge, einem neidischen Herzen, das stets von neuem Grund finden sich zu ärgern und zu grämen.

Und hier das Evangelium, auf das die Predigt hinweist, zum Nachlesen.

Evangelium nach Matthäus, Kap 20,1-16a.
In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen sein Haus verließ, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben.
Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg.
Um die dritte Stunde ging er wieder auf den Markt und sah andere dastehen, die keine Arbeit hatten.
Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist.
Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder auf den Markt und machte es ebenso.
Als er um die elfte Stunde noch einmal hinging, traf er wieder einige, die dort herumstanden. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum?
Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg!
Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter, und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den letzten, bis hin zu den ersten.
Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar.
Als dann die ersten an der Reihe waren, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten nur einen Denar.
Da begannen sie, über den Gutsherrn zu murren,
und sagten: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen.
Da erwiderte er einem von ihnen: Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart?
Nimm dein Geld und geh! Ich will dem letzten ebensoviel geben wie dir.
Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin?
So werden die Letzten die Ersten sein.




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